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China und Tee verbindet mehr als eine sehr lange Geschichte.
Hier wurde Tee über Jahrhunderte kultiviert, verarbeitet, weiterentwickelt und auf völlig unterschiedliche Arten getrunken.
Grün. Weiß. Schwarz. Oolong. Gerollt, gedreht, gepresst, geröstet oder zu kleinen Perlen geformt.
Und genau deshalb ist „chinesischer Tee“ eigentlich eine ziemlich gewagte Zusammenfassung.
Dahinter steckt eine ganze Teewelt.
Während japanischer Grüntee häufig mit Wasserdampf behandelt wird, um die Oxidation zu stoppen, kommt in China traditionell oft trockene Hitze zum Einsatz.
Die Blätter werden beispielsweise in heißen Pfannen oder Trommeln erhitzt.
Und das schmeckt man.
Viele chinesische Grüntees wirken weniger intensiv grasig und bringen stattdessen weichere, leicht nussige, röstige oder fein süßliche Noten mit.
Wenn du bisher dachtest, Grüntee sei grundsätzlich sehr „grün“:
Probier einmal die chinesische Seite.
Dragonwell. Gunpowder. Jasmintee.
Chinesische Teeklassiker haben Namen, die man sich erstaunlich gut merken kann.
Hinter ihnen stecken allerdings ganz unterschiedliche Stile.
Beim berühmten Long Jing – Dragonwell werden die Blätter traditionell flach verarbeitet. Gunpowder erkennst du an seinen kleinen fest gerollten Blättern. Und bei hochwertigen Jasmintees trifft Tee auf den Duft frischer Jasminblüten.
Das Schöne daran:
Du erkennst viele chinesische Tees schon, bevor Wasser in der Kanne ist.
Auch einige der berühmtesten weißen Tees stammen aus China.
Bei Weißtee wird möglichst wenig in das Blatt eingegriffen. Die frisch geernteten Blätter und Knospen werden vor allem gewelkt und getrocknet.
Das klingt simpel.
Ist es aber nur, wenn das Ausgangsmaterial stimmt und bei der Verarbeitung alles passt.
Je nach Pflückung und Qualität entstehen sehr feine, weiche Tees mit ganz eigenem Charakter.
Wenig Verarbeitung lässt dem Blatt wenig Platz zum Verstecken.
Zwischen nicht oxidiertem Grüntee und vollständig oxidiertem Schwarztee liegt ziemlich viel Spielraum.
Und genau dort beginnt Oolong.
Besonders Fujian gehört zu den berühmten chinesischen Oolong-Regionen. Hier entstehen sowohl florale, feinere Varianten als auch kräftigere, geröstete und mineralische Tees.
Wer Oolong bisher nicht kennt, sollte deshalb nicht nach „dem typischen Oolong-Geschmack“ suchen.
Den gibt es schlicht nicht.
Und das ist eigentlich das Beste daran.
Was wir Schwarztee nennen, wird in China traditionell nach der Farbe des Aufgusses als Hong Cha – roter Teebezeichnet.
Die dunkle Farbe der trockenen Blätter hat bei uns dagegen zum Namen Schwarztee geführt.
Bekannte chinesische Schwarztees können weich, malzig, fein süßlich oder auch kräftiger schmecken.
Und damit wird spätestens klar:
China ist definitiv nicht nur Grüntee.
Bei traditionell hergestelltem Jasmintee wird der Tee mit frischen Jasminblüten beduftet.
Die Blüten geben ihr Aroma an die Teeblätter ab und werden anschließend teilweise wieder entfernt. Bei hochwertigen Qualitäten kann dieser Vorgang mehrfach wiederholt werden.
Deshalb sagt die Menge sichtbarer Blüten im fertigen Tee erstaunlich wenig darüber aus, wie gut ein Jasmintee ist.
Manchmal gilt sogar:
Weniger sehen. Mehr riechen.
Bei einer so großen Bandbreite wäre eine einzige Zubereitungsempfehlung ziemlich unsinnig.
Ein feiner chinesischer Grüntee braucht eine andere Wassertemperatur als Schwarztee. Weißtee verhält sich wieder anders. Und bei Oolong lohnt es sich häufig, mit mehreren Aufgüssen zu spielen.
Deshalb findest du Temperatur, Dosierung und Ziehzeit direkt beim jeweiligen Tee.
Eine Regel funktioniert allerdings ziemlich gut:
Guter Tee verzeiht viel. Kochendes Wasser auf empfindlichem Grüntee gehört nicht unbedingt dazu.
Gerade bei hochwertigen chinesischen Grüntees, Weißtees und Oolongs lohnt sich ein zweiter oder dritter Aufguss.
Die Blätter öffnen sich weiter und der Geschmack verändert sich.
Manchmal gefällt dir sogar der zweite besser als der erste.
Du musst daraus auch keine komplizierte Teezeremonie machen.
Tee aufgießen. Trinken.
Noch einmal Wasser drauf.
China macht das schon eine ganze Weile so.
Du musst weder Provinzen auswendig lernen noch chinesische Teebezeichnungen fehlerfrei aussprechen können.
Sag uns lieber, wie du deinen Tee magst.
Frisch und leicht? Weich und nussig? Floral? Kräftig? Geröstet? Einen Tee für jeden Morgen oder einen besonderen für mehrere Aufgüsse?
Dann wird aus einer ziemlich riesigen chinesischen Teewelt schnell eine überschaubare Auswahl.
Denn bei aller Geschichte, Herkunft und Handwerkskunst bleibt für uns am Ende eine Sache entscheidend:
Der Tee muss dir schmecken.