Japan kennst du. China sowieso. Aber wann hast du zuletzt gezielt nach koreanischem Tee gesucht?
Korea gehört nicht zu den Ländern, die in europäischen Teeregalen meterweise Platz einnehmen.
Und genau das macht die Sache interessant.
Vor allem koreanische Grüntees sind hierzulande noch eher eine Entdeckung – mit einem eigenen Charakter und einer Teekultur, die viel älter ist, als ihre vergleichsweise kleine Präsenz bei uns vermuten lässt.
Manchmal lohnt sich der Blick ein Regal weiter.
Wer koreanischen Grüntee zum ersten Mal probiert, sucht schnell nach einer bekannten Schublade.
Schmeckt er wie japanischer Grüntee? Oder eher wie chinesischer?
Die bessere Antwort lautet:
Probier ihn erst einmal als koreanischen Tee.
Denn Anbau, Klima und Verarbeitung geben ihm seinen eigenen Charakter. Je nach Tee findest du frische, pflanzliche und weiche Noten, aber auch eine feine Süße oder leicht nussige Anklänge.
Genau diese Mischung macht koreanischen Grüntee spannend, wenn du Grüntee bereits kennst und einmal eine andere Richtung probieren möchtest.
Eines der bekanntesten Teeanbaugebiete Koreas ist Boseong im Süden des Landes.
Das Landschaftsbild mit seinen dicht bepflanzten, geschwungenen Teefeldern ist inzwischen fast so bekannt wie der Tee selbst.
Mildes, feuchtes Klima und die geografischen Bedingungen bieten gute Voraussetzungen für den Teeanbau.
Daneben gibt es weitere Anbaugebiete im Süden Koreas.
Koreanischer Tee ist also keine einzelne Herkunft.
Aber Boseong ist ein ziemlich guter Name, um sich den Anfang zu merken.
Bei der Verarbeitung von Grüntee muss die Oxidation der frisch gepflückten Blätter möglichst schnell gestoppt werden.
Japan ist vor allem für gedämpften Grüntee bekannt. In China begegnet dir häufig die Verarbeitung mit trockener Hitze.
In Korea gibt es traditionell ebenfalls Grüntees, deren Blätter in erhitzten Pfannen verarbeitet werden.
Und genau solche Unterschiede wirken sich später auf Duft und Geschmack aus.
Was nach der Ernte passiert, reist mit bis in deine Tasse.
Auch bei koreanischem Grüntee spielt der Zeitpunkt der Pflückung eine wichtige Rolle.
Besonders frühe Ernten mit jungen, zarten Blättern sind rar und entsprechend begehrt. Spätere Pflückungen entwickeln einen anderen Charakter.
Du musst dir dafür keine koreanischen Erntebezeichnungen merken.
Interessant ist vor allem:
Grüntee ist kein Produkt, das das ganze Jahr über identisch vom Strauch kommt.
Jahreszeit, Blatt und Verarbeitung gehören zusammen.
Bei koreanischem Grüntee gilt ähnlich wie bei seinen Kollegen aus Japan und China:
100 °C sind meistens keine gute Idee.
Zu heißes Wasser kann die feinen Aromen überdecken und mehr Bitterkeit in die Tasse bringen, als du eigentlich möchtest.
Welche Temperatur, Dosierung und Ziehzeit ideal sind, findest du direkt beim jeweiligen Tee.
Und auch ein weiterer Aufguss lohnt sich bei guten Qualitäten.
Das Blatt ist nach einer Runde noch lange nicht fertig.
Du musst koreanischen Tee nicht kennen, um ihn zu mögen.
Eigentlich ist das sogar der schönere Einstieg.
Wenn du gerne Grüntee trinkst und Japan und China bereits kennst, wartet hier eine Herkunft, die dir eine andere Seite der Teewelt zeigt.
Nicht riesig. Nicht überall erhältlich. Und gerade deshalb interessant.
Manchmal findet man seinen nächsten Lieblingstee dort, wo man gar nicht nach ihm gesucht hat.