
Grüntee oder Schwarztee? Oolong hat sich nie entschieden. Zum Glück.
Oolong gehört zu den spannendsten Teearten überhaupt – und gleichzeitig zu denen, die bei uns am häufigsten erklärt werden müssen.
Dabei ist die Sache gar nicht so kompliziert.
Oolong stammt von derselben Teepflanze wie grüner, weißer und schwarzer Tee: Camellia sinensis. Was ihn besonders macht, passiert nach der Ernte.
Die Blätter werden bewusst nur teilweise oxidiert.
Und genau dieser Spielraum sorgt dafür, dass zwei Oolongs so unterschiedlich schmecken können, dass du kaum glauben würdest, dass beide zur selben Teeart gehören.
Von hell, floral und frisch bis dunkel, warm, geröstet und kräftig. Alles Oolong.
Bei Grüntee wird die Oxidation nach der Ernte relativ schnell durch Hitze gestoppt. Bei Schwarztee darf sie weitgehend ablaufen.
Beim Oolong entscheidet der Teemeister, wann Schluss ist.
Die frisch gepflückten Blätter werden gewelkt, bewegt und je nach gewünschtem Stil unterschiedlich lange oxidiert. Anschließend wird dieser Prozess durch Erhitzen gestoppt.
Wie stark ein Oolong oxidiert und später möglicherweise noch geröstet wird, prägt seinen Geschmack enorm.
Ein heller Oolong kann floral, frisch, weich und beinahe cremig schmecken.
Ein stärker oxidierter oder gerösteter Oolong bringt wärmere, tiefere, nussige oder röstige Noten mit.
Dazwischen liegt ziemlich viel.
Wer sich mit Oolong beschäftigt, landet früher oder später in Taiwan.
Das Klima, die Bergregionen und das handwerkliche Wissen haben dort eine beeindruckende Oolong-Kultur entstehen lassen.
Besonders spannend sind die High Mountain Oolongs, deren Teegärten in höheren Lagen liegen. Die kühleren Temperaturen und langsamere Entwicklung der Blätter prägen ihren Charakter.
Viele taiwanesische Oolongs erkennst du schon trocken an ihren fest gerollten Blättern.
Beim Aufgießen passiert dann etwas Schönes:
Aus den kleinen Kugeln werden nach und nach erstaunlich große Blätter.
Deshalb bitte Platz in der Kanne lassen. Die brauchen ihn.
Auch China gehört zu den großen Oolong-Nationen.
Besonders bekannt sind die Oolongs aus Fujian und Guangdong.
Hier entstehen völlig andere Stile als bei vielen taiwanesischen Hochlandtees – von floralen, eleganten Sorten bis zu kräftigeren, mineralischen und gerösteten Tees.
Einer der berühmtesten Namen ist Tie Guan Yin, die „Eiserne Göttin der Barmherzigkeit“.
Und dann gibt es noch die berühmten Felsentees aus dem Wuyi-Gebirge.
Schon an diesen Beispielen merkt man:
„Einen Oolong“ gibt es eigentlich nicht.
Oolong kann etwas, das beim ersten Probieren ziemlich verblüffend ist.
Manche hochwertigen Sorten entwickeln von Natur aus intensive florale oder fruchtige Aromen, obwohl ihnen weder Blüten noch Früchte zugesetzt wurden.
Das kommt aus dem Blatt selbst und entsteht durch Sorte, Anbau und Verarbeitung.
Bei einem guten Oolong lohnt es sich deshalb, nicht nur zu trinken.
Riech vorher einmal an den warmen, aufgegossenen Blättern.
Da passiert oft mindestens genauso viel wie in der Tasse.
Wenn es eine Teeart gibt, bei der du mehrere Aufgüsse ausprobieren solltest, dann Oolong.
Die großen Blätter öffnen sich mit jedem Aufguss weiter und geben ihren Geschmack nach und nach ab.
Dabei verändert sich die Tasse.
Der erste Aufguss kann zurückhaltender sein. Der nächste intensiver. Danach kommen plötzlich Aromen zum Vorschein, die vorher kaum da waren.
Deshalb eignet sich Oolong hervorragend dafür, denselben Tee über mehrere Aufgüsse hinweg zu trinken.
Das ist keine Sparmaßnahme.
Das gehört zum Erlebnis.
Hier gibt es keine einzige Temperatur und Ziehzeit, die für jeden Oolong perfekt ist.
Ein heller, wenig oxidierter Oolong wird anders behandelt als ein kräftiger gerösteter.
Deshalb findest du bei jedem unserer Oolongs die passende Zubereitung direkt beim Produkt.
Grundsätzlich lohnt es sich bei hochwertigen Oolongs, mit mehreren kürzeren Aufgüssen zu experimentieren.
Und keine Angst davor, ein bisschen auszuprobieren.
Ein paar Grad mehr. Etwas mehr Blatt. Eine kürzere Ziehzeit.
Oolong ist ziemlich gut darin, dir zu zeigen, was ihm gefällt.
Oolong ist nicht nur ein Tee für den ruhigen Sonntagnachmittag.
Gerade durch seine enorme geschmackliche Bandbreite kann er ein richtig guter Essensbegleiter sein.
Leichte, florale Oolongs passen wunderbar zu feinen Gerichten. Kräftigere und geröstete Varianten können auch neben würzigeren Speisen bestehen.
In Asien ist Tee zum Essen ohnehin viel selbstverständlicher als bei uns.
Das könnten wir uns ruhig abschauen.
Nicht immer Wein aufmachen. Manchmal reicht die Teekanne.
Oolong ist eine Teeart, bei der Verarbeitung und handwerkliches Können einen enormen Unterschied machen.
Zwei Tees können denselben bekannten Namen tragen und trotzdem völlig unterschiedlich schmecken.
Deshalb verlassen wir uns auch hier nicht auf Namen, schöne Geschichten oder beeindruckende Herkunftsangaben.
Wir vergleichen Qualitäten, bestellen ausgewählte Muster und verkosten gemeinsam im Team.
Dabei achten wir auf Blatt, Herkunft und Verarbeitung – und natürlich darauf, was am Ende in der Tasse landet.
Denn ein berühmter Oolong, der uns nicht schmeckt, bekommt keinen Platz im Regal.
Ein unbekannter, der uns begeistert?
Sehr gerne.
Genau deshalb steht auch bei unseren Oolongs keiner zufällig im Sortiment.
Wir brauchen nicht jede Variante.
Wir wollen die, für die es sich lohnt, Wasser aufzusetzen.